Da er an der Maitour nicht teilnehmen konnte, bot sich unser abendteuer- und reisehungrige Mille als Navigator an, die Hinfahrt im Fahrzeug Nr.1 zu übernehmen. Keine Ahnung warum, schließlich fahren wir die Strecke nunmehr seit 11 Jahren im Schlaf. Doch so sollte es sein, denn Mille hätte da eine besonders attraktive Abkürzung ausgemacht. Vielleicht lag es auch an seinem nagelneuen Navigationsgerät welches, wie wir heute wissen, schier unfassbare und wundersame Wegeführungen im Programm hatte.
Abgesehen unserer verschlammten und Schlagloch gebeutelten Autos, sind wir noch nie so lange nach Schweden gefahren. Den Navigatorsposten war Mille danach natürlich los.
Bei durchwachsener Wetterlage konnten wir uns eines gefühlten Spätsommers erfreuen. In unserer Hausbucht erlebten wir ”Wassermangel”. Bei einem Wasserstand von weniger als einen halben Meter konnte der Anlegeplatz nur angerudert werden.
Eventuell lag es daran, dass die Hechte, zumindest die Größeren, bei Weitem nicht so gut beißen wollten wie im Vorjahr. Wir stellten fest, dass die sommerlich gestimmten Hechte immer noch mitten in den Flachwasserbereichen und Schilfkanten standen. Mit Jerk und Co. konnten diese dort ganz gut überlistet werden.
Beim Schleppen befuhr Mille ganz bewusst die Flachzonen. Wassertiefen um einen Meter konnte er mit kurz hinter dem Boot geführten Flachläufern gut abfischen. Obwohl wir das Schleppen weit hinter dem Boot bevorzugen, machte Mille verhältnismäßig gute Beute. Wir staunten daher nicht schlecht, als er uns bereits am zweiten Tag einen 86er Esox präsentierte.
Der bis dahin größte Hecht bot selbstverständlich genügend Gesprächsstoff. Jeder hatte dabei seine eigene Theorie warum gerade Mille mit seiner Methode so erfolgreich war. Und so angelten trotzdem alle, jeder auf seine Art, optimistisch weiter.
Die Tage vergingen und wir fingen weitere Hechte in mäßiger Größe.
Und wie so oft, stirbt die Hoffnung zuletzt den ganz Großen zu fangen.
Matterhorn und Frank hingen in gemütlicher Position in ihrem Boot. Es war bereits ihre letzte Fahrt, da die Beiden einen Tag eher abreisen mussten. Das wird doch nicht alles gewesen sein, hofften sie und schleppten mit allen Mitteln die sie zur Verfügung hatten. Mal schneller, mal langsamer, mal mit großen-, mal mit kleinen Wobblern. Umso näher sich dabei die Sonne in Richtung Horizont neigte, desto mehr ereichte sie das Gefühl einer Art “Torschlusspanik”. Mille´s Erfolge waren allzeit gegenwärtig. Urplötzlich versetzte es einen Schlag in Frank´s Angel. Etwas schwerfälliges forderte die gesamte Aktion seiner Rute. Das hätte es gewesen sein können. Nach einem kurzen aber harten Drill stieg der Fisch leider wieder aus. “Wenn Blicke töten könnten”... Aber nicht nur das. Franks realitätsverzerrende Größenvorstellung zu diesem leider verlorenen Fisch, musste arg gebremst werden. Keine 5 Minuten später der nächste Biss an Matterhorns Angel. Auch dieses Mal verbeugte sich die Rute wie bei einem “Großen”. Der sonst so gelassene Matterhorn wurde sichtlich nervös. Das es sich hierbei um einen Kapitalen handeln musste war eindeutig klar. Nur stellte sich die Frage, Hecht oder Zander ? Schnelle Fluchten forderten Matterhorns Reaktion. Frank klappte den Außenborder hoch und der Fisch zog wie erwartet immer wieder unters Boot in die Tiefe. Doch dieses Mal war der Angler der Sieger. So lag kurze Zeit später ein wahrer Kämpferhecht von 1,04 Meter Länge auf den Schuppen im Boot.
Mindestens einem Meterhechtdrill gleichwertig, erlebten wir bei der Einfahrt in unserer Hausbucht eine Premiere. Elch im Wasser ! Das zunächst als schwimmende Kanadagans ausgemachte Etwas, konnte Sekunden später (zum unserem Glück) als Kopf einer Elchkuh erkannt werden. Wir trauten unseren Augen nicht, denn vor uns ging ein gigantischer Elch an Land. Von uns völlig unbeeindruckt schritt er gemächlich einige Meter am Ufer entlang bevor er im Wald verschwand.
So ging unsere Herbsttour 2006 dem Ende entgegen. Wir fingen viele kleine Hechte (Zwiebelförster) und einige gute Zander. Die wirklich Großen blieben, anders wie bei der Herbsttour 2005, in der Masse jedoch leider aus. 4 Hechte zwischen 80- und 90 cm und Matterhorns Pokalfisch von 1,04 m waren die nennenswerte- bescheidene Ausbeute.
Trotzdem war es, abgesehen von einer zerbrochenen Angelrute und der kaputten Digitalkamera, wieder einmal ein gelungener Angelurlaub.